Mont Blanc

Donnerstag, 26. August 2010

Um kurz vor sieben Uhr in der Früh treffen sich vier Blauen Biker in Basel für die Zugfahrt zum Ausgangspunkt der mehrtägigen Biketour: Martigny. Dort angekommen warten wir bei fast wolkenlosem Himmel und warmen Temperaturen auf die Weiterfahrt nach Orsières, denn wir werden die ersten Kilometer auch noch mit fremder Hilfe bewältigen. Was sich später als richtige Entscheigung heraus stellt! In Orsières genehmigen wir uns noch eine kleine Zwischenmahlzeit und fahren dann auf der Hauptstrasse das Val Ferret hoch. Die Sonne ist unser stetiger Begleiter und die Temperaturen steigen auf hochsommerliche Werte an. Ein kleiner Abstecher von der Hauptstrasse auf den Wanderweg wird mit einer ziemlich rupigen Steigung belohnt. Danach fahren wir erneut auf der Teerstrasse bis nach Ferret, wo für den motorisierten Verkehr das Tal zu Ende geht. Hier schieben wir uns noch ein paar Riegel zwischen die Zähne, denn schliesslich muss das Gewicht der Rucksäcke kontinuierlich reduziert werden. Jetzt steigt der Weg stetig hoch zum Grand Col Ferret, wobei wir unterwegs bei la Peule einen Cola-Pause einlegen. Kurz darauf wird der Blick zum ersten Passübergang frei und unsere Blicke saugen das traumhafte Panorama auf: Mit jeder Pedalumdrehung kommen wir dem Grand Col Ferret näher und bei 2537 Meter über Meer ist es geschafft! Die Aussicht in den italienischen Teil des Val Ferret macht Lust auf mehr und wir freuen uns auf den Trail hinunter nach Palud, ein kleiner idyllischer Ort oberhalb von Courmayeur. Die guten 1000 Höhenmeter, die es nun zu vernichten gilt, lassen unsere Bikerherzen höher schlagen und machen Lust auf mehr. In Palud beziehen wir unsere Zimmer im Hotel Astoria und abends lassen wir uns von der feinen italienischen Küche verwöhnen und lassen den ersten Tag nochmals Revue passieren.

Freitag, 27. August 2010

Leider ist das Erwachen nicht so grandios, denn seit geraumer Zeit brasselt der Regen an unser Zimmerfenster! Nach dem Frühstück, bei welchen wir keine Eile haben, machen wir unsere Bikes und die Regenausrüstung klar. Eigentlich hatten wir nicht mit dieser Wetterentwicklung gerechnet und unser Guide hat deshalb auch auf seine Regenhose verzichtet. Mit gemischten Gefühlen fahren wir hinunter nach Courmayeur, wo der Aufstieg durchs Val Veny zum Col de la Seigne beginnt. Zum Anfang hält sich der Regen noch ein bisschen zurück und die erste knappe Stunde trotzt unsere Regenbekleidung gut dem kühlen Nass. Doch dann ab Chalets du Miage gibt Petrus alles: Mit Blitz und Donner läutet er ein regelrechtes Berggewitter ein. Der Wind bläst uns den Regen mit voller Wucht ins Gesicht und die «Sonnenbrillen» erfüllen für einmal eine ganz andere Funktion. Ab dem Lage du Miage sehen wir das Rifugio Elisabetta und geben nochmals alles, um uns möglichst bald mit einer heissen Minestrone in der Alphütte aufzuwärmen. Dort angekommen geht die Suche nach freien Hacken für das Aufhängen der nassen Bekleidung los. Doch auch diese Herausforderung meistern wir und schon bald sitzen wir vor einer warmen Suppe und geniessen die wohltuende Wärme. Während unserer Rast lässt der Regen langsam nach und nach einer guten Stunde beschliessen wir den Rest unter die Stollen zu nehmen. Was jetzt folgt, ist wohl das Übelste was es gibt: Mit trockenen Socken in die nassen Schuhe! Keine zehn Minuten später denkt keiner mehr daran und die knappen 400 Höhenmeter zum nächsten Übergang, dem Col de la Seigne lenken uns bestens davon ab. Hier oben bläst der Wind mit einer steifen Brise und hilft uns so die nassen Sachen zu trocknen. Alles hat zwei Seiten, wie so oft im Leben. Noch kurz ein paar Fotos und schon geht es los auf nassen, aber denoch genialen Singletrails hinunter zum Chalet Ref. des Mottets. Unterwegs trifft es Cédis Hinterpneu mit einem Loch in der Lauffläche, doch mit dem Tubelessflickzeug ist dies nur eine kurze Sache. Und so wie es tönt finden die in der Nähe weidenden Schafe Gefallen an unserer Vorstellung. Noch ein Blick ins Tal und schon geht es auf dem flowigen Trail weiter. Danach folgt eine Teerstrasse bis nach Les Chapieux, wo die Vorbereitungen für den Durchlauf des Mont Blanc Ultra-Trail auf Hochtouren laufen. Ein Lauf über 166 Km und 9’400 Höhenmeter!?! Uns erwarten im Moment keine solche Zahlen, bei uns geht es jetzt auf der Passstrasse hoch zum Cormet de Roselend. Dies ist der letzte Übergang des Tages und wir ziehen uns für die Abfahrt noch kurz etwas über, denn die Temperaturen sind nicht wirklich hochsommerlich. Unterwegs geniessen wir die Aussicht auf den Lac de Roselend, einen smaragdgrünen Stausee der sich idyllisch in die Landschaft einfügt. Von diesem Punkt sehen wir auch bereits unsere nächste Übernachtungsmöglichkeit, das Hotel «le Chalet de Roselend»! Leider war dies nicht die beste Wahl, was wir jedoch erst in der Nacht feststellten.

Samstag, 28. August 2010

An diesem Morgen ist nicht der Regen am Fenster das Problem, seit zwei Uhr Morgens rennen Ratten oder Marder im Zwischenraum unserer Zimmerdecke umher und lassen uns so nicht schlafen! Nach dem Morgenessen steht erneut das Schmieren der Bikes auf dem Programm, denn der Regen hat den beweglichen Teilen gut zugesetzt. Schon kurz darauf sind wir unterwegs zum nächsten Stausee, dem Lac de la Gittaz, welcher auf Grund des herrschenden Wetters nur begrenzt zum Vorschein kommt. Am Ende des Sees beginnt der erste Aufstieg des Tages zum Col de la Gitte, welchen wir zum Teil bei Sonnenschein und danach wieder im Nebelmeer erklimmen. Auf dem Kammweg fahren wir ein Stück bis zum Abfahrtstrail zu Le Bolchu, einer kleinen Alp von wo wir den nächsten Übergang dem Col du Joly in Angriff nehmen wollen. Doch kurz nach der Durchfahrt der Alp beginnt es wieder zu regnen und die Intensität nimmt stark zu. Deshalb entschliessen wir uns kurzfristig im Stall der Alp, die, wie wir annehmen, kurze Regenschauer abzuwarten. Leider haben wir uns in der Prognose geirrt und nach guten 45 Minuten brechen wir mit Kurs auf die Passstrasse auf. Das Wetter verschlechtert sich weiterhin und auf dem Col du Joly erwartet uns ein geschlossenes Passrestaurant. Zwar ist weiter unten noch ein zweites Restaurant, aber die Aussicht auf das erneute Kleidertrocknen im Eingangsbereich eines nicht geheizten Restaurants, um danach wieder in die immer noch nassen Sachen zu steigen, lässt uns den Plan ändern und wir ignorieren unsere knurrenden Mägen. Jetzt fliegen wir auf der Skipiste hinunter nach Les Contamines und mit jedem Meter tiefer werden die Temperaturen höher und der Regen weniger. Kurz vor der Talstadion haben wir den Regen hinter uns gelassen und geniessen den warmen Wind, welcher unsere Bekleidung angenehm trocknet. Von Le Contamines folgen wir, einer «Gümmelergruppe» gleichend, das Tal hinunter Richtung St. Gervais mit dem Ziel dort den Zug nach Chamonix zu besteigen. Beim Bahnhof befriedigen wir unsere Hunger mit wunderbaren Baguettes gefüllt mit Hart- und Weichkäse – ein Traum! Gestärkt geniessen wir die Zugfahrt hoch nach Chamonix, unserem heutigen Etappenziel! Unterwegs sind wir gespannt auf den langersehnten Blick zum Mont Blanc. Doch die Wolken verhindern im Moment die Sicht zum Gipfel, trotzdem lassen die weit ins Tal ragenden Gletscher so einiges erahnen. In Chamonix angekommen suchen wir uns zuerst ein «richtiges» Hotel und werden bald fündig: Eine Suite mit vier Betten im Dachstock mit Blick auf den Mont Blanc ist genau das Richtige nach der letzten Nacht! Vor und nach dem Abendessen bestaunen wir die Finisher des Mont Blanc Ultra-Trail und gehen danach zufrieden schlafen.

Sonntag, 29. August 2010

Um sieben in der Früh heisst es Morgenessen, den unser Zug nach Montroc fährt um kurz nach acht Uhr von Chamonix ab. Pünktlich besteigen wir im Bahnhof den Zug und geniessen die ersten freien Blicke auf den Gipfel des Mont Blanc: Es hat sich alles gelohnt! In Montroc folgt das obligate Fetten und Schmieren, denn die Bikes haben am Vortag erneut unter den Regengüssen gelitten. Ohne einen flachen Meter geht es los zum letzten grossen Übergang unserer Tour, dem Col de Balme mit 2204 Metern über Meer. In Le Tour fahren wir an der Gondelstation vorbei und beissen in die Lenkstangen, denn der Trail ist enorm steil und unsere Beine von den Vortagen müde. In Chalets de Charamillon, der Zwischenstation der Bergbahn, erinnern wir uns an die Vorzüge des Freeriden und lösen Karten für den Sessellift. Was für eine Wohltat und was für ein Panorama! Das Panorama rund um den Mont Blanc zeigt sich von seiner besten Seite und lässt die Wettermühen der letzten zwei Tage schnell vergessen. Oben angekommen führt ein fast ebener Trail zur Hütte auf dem Col de Balme und schon hat uns die Schweiz wieder. Mit Blick ins Unterwallis und einer wärmenden Morgensonne geniessen wir die Vorfreude auf das Folgende: Eine flowige Abfahrt hinunter ins Tal! Noch kurz ein Erinnerungsfoto für die Geschichte und schon fahren wir auf dem ausgeschilderten Biketrail los. Der Trail ist zum Anfang gut fahrbar, doch je weiter wir kommen, umso mehr muss das Bike gestossen oder geschultert werden. Langsam kommen Zweifel an der Richtigkeit des Bikeschilds oder vielmehr seiner Richtung auf. Der Blick auf die Karte gibt jedoch keine schlüssige Antwort und wir machen so weiter wie angefangen, denn mittlerweile wäre eine Umkehr nicht mehr sinnvoll. Und schliesslich kann es ja nur noch besser kommen: Doch zum Schluss sind noch unsere Kletterfähigkeiten gefragt. Mit geschuldertem Bike an einer im Fels verankerten Kette gesichert über Felsen abseilen! Eine flowige Abfahrt haben wir uns anders vorgestellt. Doch der Blick auf Les Grands lässt unsere Herzen wieder höher schlagen – zu einer Alp führt meistens ein fahrbarer Weg. Und ausser einigen wenigen Stelle wir diese Weissheit bestätigt und schon bald finden wir uns auf der Bisse Trient wieder. Ein letzter Blick zum Col de Balme sowie dem unglücklichen Bikeweg und bereits sind wir auf dem Col de la Forclaz. Von dort aus fahren wir entlang der Wanderwegschildern bis ins Tal nach Martigny. Noch eine kurze Ausfahrstrecke auf der Hauptstrasse in Martigny. Übrigens: Aus Gründen der eventuell schwierig einzufordernten Garantieansprüche, wird von der gezeigten Displaybenutzung dringend abgeraten! Beim Italiener füllen wir unsere Energiereserven ein letztes Mal auf dieser Tour auf und freuen uns auf die Heimfahrt mit dem Zug. Diese gibt uns genügend Zeit, um in den Erinnerungen der letzten vier Tage zu schwelgen und bringen uns zum Fazit: Trotz ein bisschen Wetterpech, eine genial schöne Tour mit traumhaften Trails und unglaublichen Landschaften! Wir sind uns sicher, wir kommen wieder und freuen uns auf nächste Mal!

Hier noch ein paar Eindrücke der Tour rund um den Mont Blanc:

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